Twitter-Interview (5) - Sascha Lobo

Eine Twitter-Interviewserie kann nicht vollständig sein, wenn ich dazu nicht auch denTwitterer mit den meisten Followern (im deutschsprachigen Twitterverse) befragt hätte: @saschalobo

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Hallo Sascha, laut twitterholic.com twitterst du seit 8. Mai 2007. Kannst du dich noch daran erinnnern, wie du damals von Twitter erfahren hast?

Nicht hundertprozentig, aber ich bin fast sicher, dass es über @kosmar passiert ist. @kosmar ist für mich der Übernerd. Alles Technische muss zunächst durch @kosmar hindurch - wenn es diesen Test besteht, hat es Chancen, etwas zu werden.

@kosmar als eine Art Durchlauferhitzer sozusagen ;-) Aber verrate doch mal, was dich an Twitter fasziniert.

Vor allem das Gefühl, dabei zu sein beim Pulsieren des Netzes, fast in Echtzeit mitzubekommen, wenn irgendwo irgendetwas im Netz bzw. in der Kohlenstoffwelt passiert. Die Zeiten etwa, wo man eine gehackte Seite erst am Tag danach per Screenshot auf irgendeinem Blog gefunden hat, sind vorbei. Man ist quasi angeschlossen an ein Privatkorrespondentennetzwerk mit 12 Millionen Augen.

Beeinflusst Twitter dein tägliches Leben in der Kohlenstoffwelt, wie du sie so treffend nennst? Und wenn ja: Wie?

Ein Nebeneffekt: Ich glaube, ich habe in den letzten sechs Monaten über dreißig Interviews zu Twitter gegeben, vom österreichischen Standard über die ARD und dpa bis zu N24. Wichtiger aber sind mir sowohl der soziale Kontakt - über Twitter ist man ansprechbarer als über andere Kanäle - und die Möglichkeit, sehr schnell große Aufmerksamkeitsströme dorthin zu lenken, wo sie meiner Meinung nach hingehören. Vor allem dieser letzte Punkt wird glaube ich von vielen Twitterern als eine Art Online-Mobilisierungsmacht empfunden. Nicht zu unrecht. Das greift auch in die Zwischenwelt zwischen Netz und Kohlenstoffwelt ein; Onlineabstimmungen sind nach Twitter nicht mehr dasselbe.

Welche Twitter-Clients und “Zubehör” nutzt du?

Fast ausschliesslich das Web, auch auf dem iPhone. Die meisten Clients fühlen sich nicht so an, wie ich das gern hätte. Ich benutze ausserdem neben #Hashtags relativ oft Twitpic und den URL-Shortener is.gd. Viel ausprobiert ansonsten, bei wenig geblieben.

Was magst du lieber: Twittern oder (Rollfeld)-Twitpicen? ;-)

Rollfeld-Twitpicen ist ein nettes Hobby - aber Twittern ist ein Menschenrecht. Insofern ist die Antwort klar.

Twitter wird ja derzeit oft als supertolles Marketing-Tool angepriesen und Neu-Twitterer fallen ja entsprechend häufig mit der Marketing-Tür ins Haus. Was würdest du Einsteigern raten, wie sie es besser machen können, wenn es denn nun unbedingt Marketing sein muss?

Das gleiche wie an vielen anderen Orten, wo soziales Verhalten zählt: ersteinmal beobachten, dann beobachtend teilnehmen, dann geschmeidig anfangen zu interagieren, dann - wenn es sein muss - interessante eigene Aktionen starten; und zwar nicht nur auf Twitter, sondern eher mithilfe von Twitter. Ich halte aber Twitter nicht in erster oder zweiter Linie für ein Marketingtool, sondern für die längst überfällige Kreuzung aus Instant Messaging und Social Network mit der Funktion eines Social News Tickers.

Was fehlt dir bei Twitter, was würdest du verändern? Welche Features braucht die Twitterwelt unbedingt noch?

Dutzende bunte Statistikfeatures, eine sinnvolle Anwendung für die Favorites, eine bessere Profilverwaltung. Es gibt praktisch nichts Grauenvolleres im ganzen Internet, als eine sechs Monate alte Twitter Direct Message per Handy zu suchen.

Oja, ich weiß wovon du sprichst. Die Möglichkeit zur Suche sollte wirklich dringend verbessert werden. Schließlich benutzt man Twitter ja gelegentlich auch als Notizbuch. Ob diese Möglichkeit nun verbessert wird oder nicht - wo siehst du Twitter generell in 5 Jahren?

Von der Muttergesellschaft Google an die Börse gebracht, nach einem hitzigen Bieterduell mit Microsoft. Inhaltich entwickelt sich Twitter zur Basis für alle anderen Veröffentlichungen einer Person oder einer Institution im Netz. Ich könnte mir gut vorstellen, dass jeder Twitternutzer mehrere Streams bekommt, einen Mitteilungs-Stream, einen automatisierten Status-Stream und so fort.

Hast du andere spannende Entwicklungen im Netz entdeckt, denen du ähnliche Erfolgssaussichten bescheinigen würdest? Wenn ja: Welche?

Die Mobile Live Streaming Platform Qik halte ich schon länger für ähnlich revolutionär. Ansonsten hoffe ich auf’s Nanopayment*.

Was habe ich zu Twitter nicht gefragt, was du aber gerne sagen würdest?

Ich möchte eine Bitte an das Universum loswerden: Bitte, Universum, mach’, dass Twitter bei der Monetarisierung nicht die falschen Entscheidungen trifft und sich auch nicht an einen Konzern verkauft, der es als pures Dekoelement an seine ranzigen Restservices anflanscht. Danke.

Diesem Wunsch schließe ich mich an. Vielen Dank für dieses aufschlussreiche Interview, Sascha.


*Nanopayment = Zahlungssysteme im Internet, die die Bezahlung geringster Summen ermöglichen.

***

Hier könnt ihr Sascha Lobo auf Twitter folgen.
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Kommentare:


twitter ist ein menschenrecht? au weia, das tut weh, aber richtig!

engl  am  19. Februar 2009



Zwei Zusatzfragen an Sascha:

Stimmt es, dass Ihr früher bei der Riesenmaschine Smilies aus den Kommentaren rauseditiert habt? *eg*

Würdest Du das nicht auch manchmal gern bei «Interviews» tun? ;-)

Peter Hogenkamp  am  19. Februar 2009



@ Peter Hogenkamp: Das Leben ist ja wohl ernst genug. Säße ich dem Interviewpartner gegenüber würde ich auch hin und wieder ein Augenzwinkern anbringen oder lächeln. Das hier ist nicht Zeit online und soll es auch nicht sein.

Und hier ein extra breites Lächeln nur für dich:

:-)))

Petra A. Bauer (writingwoman)  am  19. Februar 2009



Ja! Auf ein funktionierendes Nano-Payment hoffe ich auch. Bisher scheinen ja alle Bestrebungen in die Richtung an der mangelhaften Brauchbarkeit (Webaffinitiät der Betreiber?!) oder an der Gier der Anbieter zu scheitern.

Matthias Zellmer @Zellmi  am  19. Februar 2009




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