Gedichte twittern

Das Literatur-Café twittert seit einiger Zeit unter @literaturcafe. Twitter und Literatur - das schrie förmlich nach einem Lyrikwettbewerb. Und da ist er auch schon: Twitter-Lyrik. Gedichte in 140 Zeichen. Ich habe mit Wolfgang Tischer, dem Betreiber des Literatur-Cafés, über das heute gestartete Projekt gesprochen:

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Bildquelle/Urheber literaturcafe.de

Wie bist du auf die Idee zu einem Twitter-Lyrik-Wettbewerb gekommen?

Das Tolle ist, dass sich die Literatur fast immer auch alle technischen Möglichkeiten und Angebote erschlossen hat, seien es Radio, Handy oder das Internet. Immer wurde und wird ausgelotet, was hier literarisch möglich ist. Man denke nur an die Diskussion in den 90er Jahren, ob das Internet tatsächlich eine neue Form von Literatur ermöglicht, die sogenannte Netzliteratur. Ich fand das schon damals reichlich akademisch und habe vieles lieber ausprobiert.

Lyrik mit 140 Zeichen twittern ist einfach spannend und macht Spaß - auch dem Leser. Außerdem passt das sehr gut, denn gerade Gedichte sind und waren oft strengen Formen unterworfen, egal ob Sonett, Limerick oder Haiku. Viele Lyriker feilen ewig an ihren Werken, bis sie wirklich damit zufrieden sind. Andere sind eher spontan.

Technisch haben wir uns bei der Organisation des Wettbewerbs am amerikanischen Twitter Writing Contest orientiert, denn wichtig war es mir, dass die Beiträge tatsächlich getwittert werden, wir also nicht nur ein 140-Zeichen-Eingabefeld nachbilden. Die Teilnehmer müssen also ihr Gedicht twittern und geben dann auf der Wettbewerbssite www.twitter-lyrik.de nur den Link zu Ihrem Werk ein.

Wie hast du BoD ins Boot geholt - oder war es umgekehrt?

Der Anruf, ob man einen gemeinsamen Twitter-Wettbewerb macht, kam tatsächlich von BoD und hat den letzten Impuls für die rasche Umsetzung gegeben, denn so entsteht tatsächlich am Ende auch noch ein gedrucktes Buch. Und dieses Buch im Print-on-demand-Verfahren anzubieten passt ebenfalls sehr gut. Denn Lyrikbände haben ohnehin keine große Auflagenhöhe. Eine feste Auflage für ein Twitter-Lyrik-Buch wäre selbst in Twitter-Hypezeiten keine wirklich gute Idee. Aber wer eines will, der kann sich nach dem Wettbewerb eines bestellen. Und die wahren Onliner können alles im Web nachlesen. Wobei aber merkwürdigerweise viele nachwievor auf Print aus sind. Man denke nur an diverse Blogs, aus denen Bücher wurden.

Ich finde es nicht so erstaunlich, denn bei mir sind es beispielsweise haptische und praktische Gründe lieber ein Buch zu lesen anstatt am Monitor zu sitzen. Bücher fühlen sich gut an, und mein Notebook würde ich nicht mit in die Badewanne nehmen.
Was mich aber noch interessiert: Wer stiftet den iPod touch?

BoD stiftet den iPod touch für den Gewinner oder die Gewinnerin. Und BoD übernimmt natürlich die Herstellung des Buches. Der Druck selbst ist ja quasi beim Print-on-Demand-Verfahren im Moment des Kaufs finanziert. Wir vom Literatur-Café haben die Umsetzung der Website www.twitter-lyrik.de sowie die Betreuung des Wettbewerbs übernommen. Die Jury bilden dann Mitarbeiter von BoD und Literatur-Café.

Was zeichnet ein gutes Twitter-Gedicht aus?

Ich kann da nur für mich sprechen: Ok, maximal 140 Zeichen ist klar. Hochform wäre natürlich genau 140 Zeichen zu nutzen. In Sachen Form ist es interessant, ob das Werk auch innerhalb der 140 Zeichen noch eine Struktur besitzt. Und rhythmisch sollte es passen. Was den Inhalt betrifft, so sind natürlich Gedichte mit stimmigen und passenden Bildern und genügend Raum für eigene Assoziationen sehr schön.

Aber das ist wie gesagt meine Meinung und das sind nicht unbedingt die Kriterien der Gesamtjury. Wer weiß, vielleicht gewinnt ja am Ende ein spontan getwittertes Nonsensgedicht. Ich kann auf jeden Fall nur jede und jeden auffordern, sich an einem Twitter-Gedicht zu versuchen und es beim Wettbewerb einzureichen. Denn schließlich gilt es, gemeinsam ein Buch zu füllen :-)

Lieber Wolfgang, vielen Dank, dass du meine Neugier gestilt hast und hoffentlich auch die der Treffpunkt-Twitter-Leser!
Und ich möchte mich dem Aufruf gleich anschließen: Twitterer, dichtet, was die Zeichen hergeben! Ich bin auf das Ergebnis sehr gespannt.

***
Twitter-Lyrik
Literatur-Café
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Kommentare:


Die Idee ist ganz hübsch. Aber dass ausgerechnet das Literaturcafé die redaktionelle Begleitung übernimmt, wundert mich schon ein bißchen.

Wie was das noch gleich? Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern:

http://twitter.com/literaturcafe/status/1222161592

bosch  am  20. Februar 2009



Jeder/r nur ein Gedicht, richtig?

sabbeljan  am  20. Februar 2009



@sabeljan:
Genau: Ein Gedicht pro Twitteracount.
So steht es geschrieben:
http://www.twitter-lyrik.de/mitmachen/

Petra A. Bauer (writingwoman)  am  20. Februar 2009



Gerade diese Definition

http://twitter.com/literaturcafe/status/1222161592

ist doch der Grund, warum so ein Wettbewerb nur jetzt funktionieren wird.

Wolfgang Tischer  am  20. Februar 2009



typisch Literaturcafe, mal hüh, mal hott.

Sascha  am  23. Februar 2009




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